Murdoch war auf der Titanic der dienstältere Offizier der Wache, als das Schiff mit einem Eisberg kollidierte. Die Ereignisse während seiner letzten Wache und auch das Ausweichmanöver selbst scheinen hinlänglich bekannt – doch schaut man in die Protokolle der Untersuchungsausschüsse von 1912, stellt man fest, dass die Aussagen der Überlebenden nicht zur Überlieferung passen. Zum Beispiel gibt es keinen Überlebenden aus dem Maschinenraum, der kurz vor oder während der Kollision gesehen hat, wie das Kommando „volle Kraft zurück“ an den Maschinenraum signalisiert wurde. Und mit Ausnahme von zwei Überlebenden hat niemand der Überlebenden gespürt, dass die Maschinen kurz vor oder während oder nach der Kollision rückwärts liefen. Und wer jemals auf einem Schiff mitgefahren ist, weiß, dass man die Vibrationen der Rückwärtsfahrt spürt.

Und auch die Überlieferung, dass der Kapitän gegen 21:30 Uhr abends die Brücke verließ und sich zurückzog ist mit den Aussagen von Überlebenden nicht zu verifizieren. So sagte der 4. Offizier der Titanic, dass er den Kapitän während der letzten Wache bis zum Zeitpunkt der Kollision häufig auf der Brücke gesehen habe – um 22 Uhr zum Beispiel zeichnete der Kapitän die Position von 19:30 Uhr in seine Seekarte ein. Das war zum Zeitpunkt des Wachwechsels der dienstälteren Offiziere, als Murdoch Lightoller ablöste.

Das Buch „Dampfer Titanic: Eisberg voraus“ wertet die Aussagen von 1912 neu aus und zeigt auf, dass der Schiffsführung bekannt gewesen sein muss, dass man mit voller Fahrt voraus mitten durch ein Eisfeld fuhr. Außerdem werden die Vorgänge während Murdochs letzter Wache und des Ausweichmanövers neu bewertet.