Dumfries & Galloway Standard & Advertiser vom 21. August 1912:

Beabsichtigtes Denkmal für Kapitänleutnant Murdoch – öffentliche Versammlung in Dalbeattie

Letzte Nacht wurde in Dalbeattie eine öffentliche Versammlung abgehalten, um über die Richtigkeit von Schritten zur Errichtung eines Denkmals für Kapitänleutnant William Murdoch, R. N. R., des 1. Offiziers der Titanic, zu beratschlagen. Kapitänleutnant Murdoch, der 38 (sic!) Jahre alt war, gehörte zu einer Seefahrerfamilie und war der Sohn von Kapitän Samuel Murdoch, Oakland, Dalbeattie.

Das Treffen fand im Rathaus unter reger Beteiligung statt.

Bürgermeister McLaurin, der die Versammlung leitete, sagte, dass einige Zeit vergangen war, seit die Nachricht vom Unglück Bestürzung im ganzen Land ausgelöst hat. Viele dachten zweifellos, dass dieses Treffen früher hätte einberufen werden sollen. – Diejenigen, die, wie er, Mr. Murdoch persönlich kannten, zweifelten niemals einen Moment daran, dass er seine Pflicht gewissenhaft und ordentlich getan hatte (Beifall). Aber er dachte, es wäre richtig, den Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses abzuwarten, ehe man etwas unternahm; und der offizielle Bericht, der jetzt herausgekommen ist, zeigt, dass Mr. Murdoch nicht nur seine Pflicht tat, sondern dass er sie ordentlich tat (Beifall). Er rief Mr. Little, Stadtangestellter, auf, die erste Resolution einzubringen.

Mr. Little trug den folgenden Antrag vor: “Dass Schritte unternommen werden, ein Denkmal für den verstorbenen Mr. Murdoch, den 1. Offizier der unglücklichen Titanic, zu errichten.” Es war gut, sagte er, dieses Treffen zu verschieben, bis der Untersuchungsausschuss zu seinem Ergebnis gekommen war. Denn obwohl eine große Anzahl der Einwohner von Dalbeattie wussten, was Mr. Murdoch unter diesen Umständen getan haben würde, würden andere, die man ansprach, es nicht so gut wissen. Sie wussten alle, dass Mr. Murdoch in der Nacht des Unglücks der Mann auf der Brücke war, und eine ernste Verantwortung lastete bei dieser Gelegenheit auf ihm. Mr. Little las zahlreiche Auszüge vom offiziellen Bericht, der veröffentlicht wurde, vor, welche, wie er deutlich machte, zeigten, dass Mr. Murdoch alles Menschenmögliche direkt vor und nach der Berührung mit dem Eisberg tat. Lord Mersey hatte festgehalten, dass das Schiff mit zu großer Geschwindigkeit fuhr. Doch allein der Kapitän war verantwortlich für die Geschwindigkeit; Mr. Murdoch hatte überhaupt nichts damit zu tun. Der Pflichterfüllung, wie er sie an den Tag legte, fehlte es nicht an Heldentum (Beifall). Sie waren alle glücklich gewesen zu sehen, dass ihr Mitbürger so eine hohe Position in seinem Beruf inne hatte, und es sei ihre Pflicht, in einer greifbaren Form daran zu erinnern, was er getan hatte (Beifall).

Der Reverend J. A. Paton, United Free Church Manson, unterstützte diese Entschliessung. Er sagte, dass er immer von Murdochs höflicher, kühner und anspruchsloser Art beeindruckt gewesen war. Indem man an seine Taten in der  Nacht des Unglücks erinnere, ehre man sich selbst und die Gemeinde, sowie man auch seinen von Kummer getroffenen Verwandten Trost spenden und Genugtuung bieten könne (Beifall).

Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen.

Amtmann Newall brachte ein, dass man den Verwandten von Mr. Murdoch eine Kondolenznote schickte. Er war sicher, dass sein Vater und seine Mutter und seine Frau und andere Verwandte ihr Beileid zum Tod von Mr. Murdoch unter diesen Umständen verdienten.

Mr. Alex. Wilson, Kohlenhändler, unterstützte diesen Vorschlag. Sie wussten, dass Mr. Murdoch, wie er meinte, einer der besten Seemänner war, den sie aus ihrem Ort hervorgebracht hatten (Beifall).

Das folgende Komitee, mit der Befugnis, die Mitgliederzahl zu erhöhen, wurde eingesetzt, um einleitende Maßnahmen im Hinblick auf die Errichtung des Denkmals zu treffen: Bürgermeister McLaurin, Amtmann Newall, Amtmann Dornan, Stadtrat Jack, Clark, Rae, Shennan, Mundell und McGill, Kapitän John Candlish, Dalbeattie, Mr. W. J. Armistead, Kippford, Mr. Alex. Wilson, Mr. James Little, Stadtangestellter; Kapitän Cassidy, Lauriston; Captain Rae, Anchordale; ehemaliger Amtmann Craik, Reverend J. A. Paton, Mr. J. E. Milligan, Anwalt, Mr. J. Tait, Baumeister, Captain Ewart, Boreland, Colvend; Mr. R. Wilson, Stadtinspektor; Dr. John Ewart, Stourbridge; Mr. J. M. Austin, Standesbeamter; und der ehemalige Bürgermeister Davie.

Die Versammlung endete mit einer Danksagung an Bürgermeister McLaurin für den Vorsitz.

Übersetzung: Susanne Störmer, 1993; überarbeitet: 2012.