FILM

 

Die Tatsache, dass Murdoch auf der Titanic Offizier der Wache zum Zeitpunkt der Kollision war, verschaffte seiner Person wenigstens eine Nebenrolle in allen bisher gedrehten Titanic-Filmen. Gleichzeitig bietet sich der Charakter Murdoch in Filmen auch zur Unterstützung von Aussagen des Films an. Damit sind filmische Darstellungen Murdochs immer im Gesamtkontext zu sehen und müssen nicht zwingend dem tatsächlichen Charakter entsprechen.

Eine Kontroverse wurde durch den bisher letzten Titanic-Kinofilm in Großbritannien ausgelöst. Mit einer Kampagne begleitete ein großer Teil der britischen Presse den Film, in dem Murdoch als der Offizier dargestellt wurde, der bestechlich war, in einer unübersichtlichen Situation einen Passagier erschoss und danach dann Selbstmord beging. Auch wenn der Regisseur James Cameron mehrfach erklärte, dass nicht die Absicht bestanden hatte, Murdoch als Feigling darzustellen, so wurde anscheinend genau dieser Eindruck erweckt. Das war nach Auffassung der Presse inakzeptabel. Selbst der Parlamentsabgeordnete aus Murdochs Heimatort mischte sich in die Kampagne mit ein. Am 15. April 1998 überreichte dann die Filmgesellschaft 20th Century Fox einen Scheck in Höhe von ₤ 5000 zur Finanzierung des Murdoch Memorial Prize, einem Wettbewerb an der Dalbeattie High School, wo Murdoch einst zur Schule ging. Änderungen am Film oder am Video bzw. an der DVD haben meines Wissens nicht stattgefunden, und auch die im Zuge der Pressekampagne geforderte Einfügung des Hinweises, dass die Murdoch-Darstellung in diesem Film reine Fiktion sei, ist nach meinem Kenntnisstand wirkungslos verpufft.

Nachwirkungen der Kampagne gab es vielleicht noch im Jahr 2004, als bei der Verleihung einer Ehrendoktorwürde an der Universität in Southampton James Cameron erklärte, dass es bei der von ihm gewählten Darstellung eines Offiziers als jemand, der von seiner Waffe Gebrauch macht, eventuell ein Fehler gewesen ist, diese Handlung an der Person Murdoch festzumachen. Die britische Zeitung Daily Express stellte in ihrer Ausgabe vom 22. Juli 2004 allerdings fest, dass diese Klarstellung keine titanische Größe hätte.

Kritisch an der Kampagne ist, dass durch sie möglicherweise neue Legenden entstanden sind - es tauchten mündliche Überlieferungen auf, die mit historischen Quellen schwer bis gar nicht belegbar sind und allein dadurch erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt aufkommen lassen. In der aufgeheizten Atmosphäre von Anfang 1998 wurden diese bisher undokumentierten Geschichten von vielen anscheinend ungeprüft als Tatsachen übernommen und haben Verbreitung gefunden. Gleichzeitig ist es im Zuge der Kampagne nicht gelungen, den möglichen Selbstmord eines Offiziers, der üblicherweise Murdoch zugeschrieben wird, als Legende zu entlarven. Vielmehr gab es besonders im Internet von Titanic-Forschern Untersuchungen der in der Kampagne aufgeführten "Beweise", und diese Untersuchungen ließen die Argumente der Kampagne doch gewaltig wackeln, während sich dadurch gleichzeitig die Argumente derjenigen verfestigten, die den Selbstmord eines Offiziers für möglich halten und davon ausgehen, dass es Murdoch war, der sich erschossen hat.

Ironischerweise war es nicht mal Cameron, der zum ersten Mal den Selbstmord eines Offiziers in einem Titanic-Film darstellte. Bereits im Jahr 1996 hat ein amerikanischer Fernsehfilm dieses Motiv aufgegriffen und auch hier war es Murdoch, an dem der Selbstmord festgemacht wurde. Diese Darstellung hat bisher keinen öffentlichen Sturm der Entrüstung hervorgerufen, und auch dieser Film wird immer mal wieder im Fernsehen wiederholt.

Schauspielerliste     Camerons Entschuldigung

© Susanne Störmer, Juli 2006

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