Wer war Murdoch? Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Oder hätte jemand anders die Titanic-Katastrophe verhindern können?
Diese Fragen tauchten 1989 bei der Vorbereitung eines Referats über den Untergang der Titanic in meinem Kopf auf. Und diese Fragen ließen mich nicht mehr los. Leider waren die leicht zugänglichen Informationen über Murdoch zum damaligen Zeitpunkt mehr als dürftig. Dabei kam kein damals erhältliches Titanic-Sachbuch ohne die Erwähnung Murdochs aus. Und so entschloss ich mich fast ein Jahr später, selbst in Sachen Murdoch zu forschen. Es war eine der folgenreichsten Entscheidungen meines Lebens.

Mein Interesse an der Titanic erwachte bereits 1977.
Die Initialzündung war ein Film, den ich im Fernsehen gesehen hatte. Vom ersten Moment an lagen meine Sympathien und mein Interesse bei den Offizieren. Murdoch habe ich allerdings erst bei der Vorbereitung jenes eingangs erwähnten Referats wirklich bemerkt. Ab dem Moment war für mich nicht mehr entscheidend, wie andere über ihn urteilten, sondern auf welcher Basis diese Beurteilung stattfand. Ich wollte wissen, vor welchem professionellem und persönlichem Hintergrund Murdoch seine Entscheidungen auf der Titanic getroffen hatte.

Über welche Erfahrungen verfügte Murdoch? Wie war er zu dieser Position gekommen? Was war er für ein Mensch?
Mit diesen Fragestellungen starteten 1990 meine Forschungen, die mich in Kontakt mit der Familie Murdochs und vielen Menschen in der westlichen Welt gebracht haben; einige von ihnen sind zu Freunden geworden. Außerdem habe ich mit Archiven in Schottland, England, Kanada, Australien und Neuseeland in Verbindung gestanden; hier hat sich die Arbeit mit zunehmender Verbreitung des Internets deutlich einfacher gestaltet. Eine Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass manche Dokumente mittlerweile der örtlichen Abfallentsorgung zur weiteren Verarbeitung überlassen wurden, womit sie vermutlich unwiederbringlich verloren sind.
Seit 1996 konzentriere ich mich auf Dokumente und Quellen, die objektiv nachvollziehbar und belegbar sind. Von mündlichen Überlieferungen nehme ich Abstand, sofern es keine unveränderbare Quelle gibt, die diese Darstellung stützt und diese unveränderbare Quelle unabhängig von der mündlichen Überlieferung ist. Für ein breiteres Allgemeinverständnis greife ich auf Autobiographien von Seefahrern aus Murdochs Zeit und Bücher über die britische Gesellschaft der damaligen Zeit zurück.
Ich setze mich mit diesen Quellen durch Induktion und Deduktion auseinander; beides in Verbindung mit empirischem Wissen. Mit wachsendem Wissen bin ich damit in der Lage, die Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume detailliert zu erkennen. Gleichzeitig sinkt das Risiko, dass neue Erkenntnisse den Rahmen und den Spielraum derart verändern, dass eine Neubetrachtung erforderlich wird. Damit komme ich den damaligen Ereignissen und Handlungen so nahe wie möglich.

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